Hilfe bei Sommerekzem

Allergievermeidung bei Pferden

Mit steigenden Temperaturen und den ersten Weidegängen beginnt für Pferde mit Sommerekzem wieder eine lange Zeit des Leidens. Die betroffenen Tiere werden von einem starken Juckreiz gepeinigt, der ihnen kaum Ruhe lässt. Sie scheuern sich Schweif und Mähne ab, treten mit den Hinterbeinen unter den Bauch und beißen sich die Haut blutig.

Der quälende Juckreiz ist Ausdruck einer allergischen Reaktion, die durch Stiche oder Bisse blutsaugender Insekten ausgelöst wird. Mittlerweile gilt als gesichert, dass neben anderen Insekten häufig Gnitzen (Culicoides spp.) die Allergie auslösen. Gnitzen sind kleine Stechmücken von 0,5 bis 3 Millimeter Größe. Sobald im Oktober beziehungsweise November die Flugzeit der Blutsauger im Freien vorüber ist, hat auch das Martyrium der Pferde ein Ende - bis zum nächsten Frühling.

Das Sommerekzem ist keine neue Krankheit. Bereits 1840 beschrieben französische Tiermediziner die Symptome dieser allergischen Dermatitis. Die Erkrankung kann alle Pferderassen sowie auch Esel, Mulis und Maultiere betreffen.

Als eine Allergie vom Typ I ist das Sommerekzem - ähnlich wie der Heuschnupfen beim Menschen - bislang nicht heilbar. Die Behandlung beschränkt sich daher darauf, die Symptome zu lindern beziehungsweise die Allergie auslösenden Insekten fern zu halten.

 

Linderung der Symptome

  • Für alle Halter von Ekzemer-Pferden sollte es selbstverständlich sein, die durch das intensive Scheuern entstandenen Hautverletzungen zu behandeln. Der Tierarzt hilft gern weiter mit Maßnahmen und Produkten, die in Frage kommen.

  • Um die Verletzungsgefahr beim Scheuern gering zu halten, kann man Besenbürsten im Stall, Auslauf oder auf der Weide anbringen. Dies verhindert, dass sich das Tier an Pfosten, Tränkebecken oder scharfen Gegenständen oft gefährlich verletzt.

  • Wenn erforderlich, können Pferde vorübergehend mit einem wirksamen Insektenmittel behandelt werden, um die Belästigung möglichst gering zu halten. Doch Vorsicht: Eine längerfristige Behandlung mit solchen Mitteln kann eine nachlassende Wirkung wegen resistenter Insekten haben und außerdem zu allergischen Reaktionen des Pferdes gegen die Inhaltsstoffe der Produkte führen.

Allergievermeidung

  • Wer sein Pferd nicht nur im Stall, sondern auch auf der Weide halten möchte, sollte Folgendes beachten: Um die Insektenplage gering zu halten, wählt man am besten hoch gelegene Wiesen, auf denen ein stetiges Lüftchen weht. Sicherer stehen Pferde möglichst weit entfernt von Bächen, Teichen und Tümpeln, da dort ideale Brutbedingungen für Insekten herrschen. Auch Waldwiesen sind ungeeignet. Wenn möglich, sollte den Pferden ein schattiger und möglichst dunkler Unterstand zur Verfügung stehen.

  • Spezielle Ekzemer-Decken leisten gute Dienste, um blutsaugende Insekten und andere Quälgeister auf Abstand zu halten. Die Decke muss dem Pferd gut angepasst (maßgeschneidert) sein und über einen Bauchlatz verfügen. Wer sich für eine Ekzemer-Decke entscheidet, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass er den korrekten Sitz der Decke täglich kontrollieren muss. Das gilt besonders für Weidepferde im Herdenverband. Auch sollte spätestens jeden zweiten Tag die Decke abgenommen und das Pferd darunter gründlich gestriegelt werden.

  • Aufstallen ist eine weitere Möglichkeit, sein Pferd vor den Allergieauslösern zu schützen, wenn der Zugang zum Stall möglichst dunkel ist und der Stall selbst weitgehend von Insekten freigehalten wird (Insektenfallen, Fliegenfänger). Dennoch sollte versucht werden, dem Pferd ein paar Stunden in freier Bewegung zu ermöglichen. Die Hauptflugzeit der Gnitzen ist in den Dämmerstunden, bei feucht- schwülem Wetter sind sie jedoch den ganzen Tag über aktiv.

 


Tipp:

Die Suche nach den allergieauslösenden Stoffen meist langwierig und häufig ohne konkretes Ergebnis. Doch nur wer die Allergene kennt, auf die sein Pferd reagiert, kann diese auch vermeiden und damit die oft quälenden allergischen Reaktionen verhindern. Hoffnung kommt nun aus Hannover. Professor Wolfgang Leibold und seine Mitarbeiter der Immunologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben ein neues Verfahren entwickelt: Mit einem funktionellen in vitro Test, kurz FIT, lässt sich an einer Blutprobe prüfen, ob ein Individuum auf eine bestimmte Substanz überhaupt allergisch reagieren kann oder nicht.

Quelle: deutsche Grünes Kreuz