Arthrose bei Pferden: Todesurteil oder therapierbar?

Unter Arthrose versteht man eine degenerative Gelenkerkrankung. Es handelt sich dabei um den krankhaften Verschleiß der Gelenke. Die Aufgabe der Gelenke besteht darin, die einzelnen Teile des Skelettsystems miteinander zu verbinden und zueinander beweglich zu erhalten. Die Gelenke werden durch die Gelenkkapsel geschützt.

Ein weiteres Indiz für eine Arthrose ist das sogenannte „Einlaufen“ zu Beginn der Bewegung; erst nach mehreren Metern Laufens wird der Schritt wieder flüssig, beginnend ist er steif, eckig und starr. Die Verengung des Gelenkspaltes durch Knorpelverlust ist typisch für den Verlauf einer Arthroseerkrankung. Reiben erst einmal die Knorpelflächen aufeinander, führt das zu heftigen Schmerzen des Pferdes.
 
Die Arthrose gilt als nicht heilbar. Ziel einer Therapie ist eine Schmerzsenkung sowie ein Fortschreiten der Arthrose zu verlangsamen oder im besten Falle zu stoppen. Inwieweit Therapiechancen bestehen, hängt in erster Linie vom Grad der Arthrose ab. So lässt sich eine im Anfangsstadium befindliche Arthrose recht gut therapieren.

Auch wenn die Gelenkschäden nicht rückgängig gemacht werden können, so gelingt es mit umfassenden Therapiemaßnahmen doch, die Schäden nicht weiter fortschreiten zu lassen. Ist die Arthrose bereits weit fortgeschritten und das betroffene Pferd lahmt sichtbar und dauernd, gestaltet sich die Therapie schwierig und mit unklarem Ausgang.

Aber auch bei fortgeschrittenen Arthrosen lohnt sich ein Therapieversuch, denn sichtbare Erfolge sind auch bei fortgeschrittenen Arthrosen nicht gänzlich unwahrscheinlich. Ziel der Therapie ist eine Verbesserung oder Wiedererlangung der Lebensqualität des Pferdes.


Im besten Falle kann das von Arthrose geplagte Pferd noch viele Jahre annähernd schmerzfrei verbringen und somit seine verloren gegangene Lebensqualität wieder erlangen. Bei deutlicher und fortwährender Lahmheit aufgrund einer Arthrose gibt es für den Pferdehalter lediglich zwei Möglichkeiten:
 

  • Das Pferd zu erlösen.

  • Eine umfassende Therapie als Chance schnellstmöglich in Angriff zu nehmen. Auch wenn der Ausgang unklar ist, so besteht nur durch umfassende Therapiemaßnahmen eine Aussicht auf Erfolg. Schmerzmittel alleine bewirken keinen Stillstand der Arthrose!

 
Je weiter die Arthrose vorangeschritten ist, desto kostenintensiver und aufwendiger gestaltet sich ein Therapieversuch. Therapiemöglichkeiten einer Anfangsarthrose sowie auch fortgeschrittenen Arthrose sind folgende:
 

Lokale Möglichkeiten:

Haltung und Hufbearbeitung müssen zwingend auf die Arthrose abgestimmt werden: Dauernde freie Bewegung auf geraden Ausläufen. Pferde mit Arthrose haben Schwierigkeiten bergauf sowie auch bergab zu gehen, ebenso ist unebener Boden kontraproduktiv und schmerzhaft.
 
Eine dauernde – jedoch frei zu gestaltende – Bewegung ist anzuraten. Arthrose Pferde sollten sich dauernd frei bewegen können, ohne von Herdenmitgliedern gejagt zu werden. Eine Boxenhaltung – auch über Nacht – ist zu vermeiden. Eine Box mit angeschlossenem Paddock oder ein Offenstall sind ideal.

Die ideale Hufbearbeitung und Korrektur für Arthrose Pferde ist denkbar unterschiedlich: Wenn bei einem Pferd ein Eiereisenbeschlag mit Silikonfüllung und Platte (sogenannter orthopädischer Beschlag) im wahrsten Sinne des Wortes Wunder wirkt, muss dies bei einem anderen Pferd noch längst nicht der Fall sein, sondern kann das Gangverhalten sogar weiter verschlechtern.

Meine Erfahrung lehrte mich, dass individuell herausgefunden werden muss, wie das betroffene Pferd am Besten läuft. Dies kann barfuss sein oder mit einem „normalen“ Hufbeschlag, kann aber auch mit Rundeisen (= Eiereisen) oder/und mit Silikonfüllung und Platte sein. Der Pferdehalter ist gefragt, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren und gut zu beobachten, mit welcher Form der Hufzubereitung das Arthrose Pferd bestmöglich laufen kann.

 

Substanzen im Kampf gegen die Arthrose:

Gelantine: Durch den Bestandteil Collagenhydrolysat soll Gelantine die Bildung von Gelenkschmiere fördern und eine wohltuende Wirkung auf die Gelenke besitzen. Fraglich ist, ob die darin enthaltenen tierischen Bestandteile unserem Pflanzenfresser Pferd nicht schaden können.

Da jedoch Wirkung und Nebenwirkung grundsätzlich abgewägt werden müssen, sollte ein Versuch ruhig gewagt werden. Bisher sind meines Wissens keine auf die Fütterung von Gelantine zurückführbare negative Wirkungen bekannt.

 
MSM oder Methyl-Sulfonyl-Methan: Ist eine natürlich im Körper vorkommende Schwefelverbindung. MSM soll eine Schlüsselfunktion im Aufbau von gesunden Knorpelgewebe besitzen.

Chondroitinsulfat (auch Chondritinsulfat): Ist ein sulfatiertes Glycosaminoglycan (GAG) oder Mucopolysaccharid, welches aus einer Kette sich abwechselnder Zuckerderivate (N-Acetyl-D-Galaktosamin (GalNAc) und Glucuronsäure) besteht. Auch Chondroitinsulfat soll positive Wirkungen auf die Gelenkschmiere haben und beim Wiederaufbau helfen. Auch hier gilt, dass es aus tierischen Substanzen gewonnen wird.

 
Die bekanntesten Substanzen sind Glucosamin und Hyaluronsäure, daher möchte ich deren Eigenschaften etwas ausführlicher erklären:

Glucosamin: Glucosamin ist ein wichtiger Baustein des Knorpels und der Innenhaut der Gelenke. Glucosamin sorgt für eine ausreichende Gelenkschmierbildung und somit auch für eine reibungslose Gelenkfunktion. Glucosamin wird vom Organismus selbst aus Glukose hergestellt und ist ein Aminozucker. Glucosmin ist Bestandteil der so genannten Synovia (Gelenkschmiere).

Denn nur eine zähe und somit stabile Gelenkschmiere ist ein wirkungsvoller Puffer zwischen den Knorpelflächen, was eine wichtige Voraussetzung für eine reibungslose Gelenkfunktion darstellt. Darüber hinaus versorgt die Gelenkschmiere das Knorpelgewebe mit Nährstoffen und transportiert Abfallstoffe ab.

Unterschiedliche Gehalte an Glucosamin sind beispielsweise in der Neuseeländischen Grünlippmuschel enthalten. Der Gehalt an Glucosamin schwankt jedoch zwischen 1 % und 75,4 %. Problematisch bei der Fütterung der Neuseeländischen Grünlippmuschel ist oft der Geruch und Geschmack nach Fisch: Kaum ein Pferd mag diesen doch recht penetranten Geruch und Geschmack.

Aus diesem Grunde bieten wir ein Neuseeländisches Grünlippmuschelpulver mit neutralem Geschmack an. Akzeptanzprobleme sind bei diesem Produkt ausgeschlossen. Darüber hinaus sind 75,4 % Glucosamin enthalten, so ist die Fütterungsmenge pro Tag im Gegensatz zu anderen Produkten mit niedrigem Glucosamingehalt nur gering, die Wirkung jedoch exzellent.

 
Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, welcher in den Gelenken aller Säugetiere und Menschen vorkommt. Hyaluronsäure wird vom Körper produziert und ist Bestandteil der Synovial-Flüssigkeit, welche die Knorpel der Gelenke schmiert und vor Reibung schützt. Der Feind des gesunden Gelenkes ist die Reibung. Reibung wird durch Schmierung verhindert.

Die Gelenkkapsel enthält eine Innenauskleidung, die als Synovial Membrane bezeichnet wird. Diese sondert die Gelenkschmiere ab. Ein Schlüsselbestandteil in dieser Flüssigkeit ist die Hyaluronsäure. Mit zunehmendem Alter produziert auch der Organismus von Pferden weniger Hyaluronsäure, was zur Abnützung der Gelenke führt.

Die Gelenke werden steif und die Beweglichkeit nimmt ab. Nicht nur das Älterwerden, vor allem Fehlstellungen und Erkrankungen lassen die Synovial Flüssigkeit schwinden, so, dass wie bei der Arthrose, Knochen auf Knochen reibt ohne den dringend benötigten Schmierstoff. Die Viskosität der Gelenksflüssigkeit nimmt ab, sie wird dünner und ist nicht mehr in der Lage, die Knorpeloberflächen genügend zu schmieren. Dies führt zu vermehrter Reibung und Abnützung der Knorpel des von Arthrose, Spat oder Schale betroffenen Pferdes.

Durch die Bildung der Hyaluronsäure wird die normale Viskosität der Gelenksflüssigkeit wieder hergestellt. Die Fütterung von Hyaluronsäure soll die Beweglichkeit und Federung in den Gelenken von Arthrose Pferden verbessern.

 
Hyaluronsäure wird auch seit vielen Jahren mit Erfolg in die Gelenke injiziert. Die Injizierung von Hyaluronsäure birgt jedoch neben erheblicher Kosten auch einige Risiken. Beim Menschen wird die Hyaluronsäure im Krankenhaus unter klinischen Bedingungen injiziert, um Infektionen bestmöglich auszuschließen.

Auch hält der Mensch bei Injektion von Hyaluronsäure still, da dieser weiß, dass Bewegung Komplikationen mit sich bringen kann. Auch Infektionen bei Injektionen in die Gelenke sind ein bekanntes Risiko. Weiterhin birgt eine Bewegung im falschen Moment der Injektion zusätzliche Gefahren. Hinzu kommen die hohen Kosten der einzelnen Injektionen.

Für Pferde bieten wir ein Produkt zur Fütterung an, dessen Inhaltsstoff Hyaluronsäure ist. Auch dieses Produkt ist geschmackneutral und wird problemlos akzeptiert.

 
Phytotherapie: In meiner Praxis hat sich das Ergänzungsfuttermittel Lauf-Fit bei Arthrosen ohne nennenswerte Entzündungsschübe bewährt sowie das Ergänzungsfuttermittel Lauf-Fit Spezial bei Arthrosen mit Entzündungsschüben. Beide Ergänzungsfuttermittel aus getrockneten Kräutern in Deutscher Arzneibuch-Qualität können auch gut miteinander kombiniert werden.

Obwohl manche der oben genannten Substanzen bei näherem Hinschauen und im Zuge wissenschaftlicher Studien eher umstritten sind, sind positive Wirkungen der Anwender unbestritten. Die in der Phytotherapie verwandten Kräuter Teufelskralle, Weidenrinde und Ingwer werden häufig in der Erfahrungsheilkunde genannt.

Inwieweit die oben genannten Substanzen vom Organismus aufgenommen und umgesetzt werden können, hängt sicher auch vom einzelnen Organismus ab und ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht restlos geklärt.

 
Aus der Praxis kann ich berichten, dass sehr gute Erfahrungen mit der Phytotherapie und der Kombination der oben genannten Substanzen bestehen. Nicht immer lässt sich sagen, welche Substanz die beste Wirksamkeit brachte, wichtig ist aber allein, dass ein sichtbarer Erfolg verzeichnet und dem von Arthrose betroffenem Pferd geholfen werden konnte.

Bei fortgeschrittenen Arthrosen empfehle ich die Kombination von Lauf-Fit, Lauf-Fit Spezial, Hyaluron und Glucosamin, bestenfalls noch in Kombination mit den anderen oben genannten Substanzen. Bei leichten Arthrosen hat sich die Kombination von Lauf-Fit (bzw. Lauf-Fit Spezial) und Glucosamin bewährt.

 
Über die oben genannten Nahrungsergänzungen und Ergänzungsfuttermittel hinaus hat sich in meiner Praxis auch eine homöopathische Therapie aufgrund der Biofeld-Haaranalyse positiv gezeigt. Eine homöopathische Therapie erscheint jedoch grundsätzlich nur erfolgversprechend, wenn die lokale Situation und die Fütterung gleichzeitig optimiert wird. Denn nur wenn die „Materie“ stimmt, kann die „Information“ wirken!

Auch der vorübergehende Einsatz von Schmerzmitteln mit entzündungshemmender Wirkung soll hier erwähnt werden und kann dem Schmerz erst einmal Abhilfe schaffen. Der dauernde Einsatz von Schmerzmitteln kann jedoch keine geeignete Maßnahme sein, um die Arthrose aufzuhalten und dem Pferd langfristig wieder Lebensqualität zu ermöglichen.

Alles in Allem kann der Pferdebesitzer dem von Arthrose betroffenen Pferd eine hilfreiche Unterstützung im Wege der Fütterung und geeigneter Therapien bieten, um vorhandene Gelenkerkrankungen weniger schmerzhaft und nicht weiter voranschreiten zu lassen.

Hier finden Sie Produkte gegen Arthrose in unserem Shop

Text: THP Claudia Nehls